Eine neue Schnellbahn
Bisher war das Rückgrad im Schienennetz der Rheinbahn die Fernbahnstrecke nach Krefeld. Sie hob sich von allen anderen Straßenbahnstrecken durch ihre höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und ihre schnelleren und komfortableren Züge ab, die so gar nicht an Straßenbahnen erinnern wollten. Die Vorzüge einer solchen Schnellbahn blieben auch dem Fahrgast nicht verborgen. So war die Auslastung der Krefelder Strecke immer überdurchschnittlich hoch.
Etwas ähnliches sollte nun auch im Düsseldorfer Norden eingerichtet werden. Seit 1898 fuhr hier die Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn, ein Gemeinschaftsunternehmen der Städte Düsseldorf und Duisburg. Zeitgenössischen Äußerungen und dem Spitznamen "Kurz- und Kleinbahn" zufolge, verlief der Betrieb dieser Bahngesellschaft nicht sehr zuverlässig.
Schon im Jahre 1920 fanden erste Beratungen über den Bau einer Schnellbahn nach Duisburg statt. Anders als beim Bau der Bahn nach Krefeld, der ja nahezu durch zunächst menschenleeres Gebiet führte, mussten bei der Festlegung der neuen Trasse nach Duisburg zahlreiche Grundstücke aufgekauft oder getauscht werden. Dieses Geschäft erwies sich als zeitraubend und unerfreulich. Der Grund lag darin, daß die Bahn gerade im Bereich Kaiserswerth Parzellen durchschnitt, deren hintere Hälfte von ihren Besitzern dann nur noch über die Gleise zu erreichen waren.
Viele Grundbesitzer weigerten sich zu verkaufen, so dass Enteignungsverfahren angestrengt werden mussten. Dass diese Auseinandersetzungen einer realen Grundlage nicht entbehrten, sieht man unschwer auf einer Fahrt von Düsseldorf nach Duisburg. Es gibt immer noch eine Reihe von durchschnittenen Parzellen, die nur über ein fremdes Grundstück zu erreichen sind.
Unter dem Eindruck der geplanten Ausstellung Gesolei, deren Planung bekanntlich im Jahre 1924 begann, kam Bewegung in die Angelegenheit und im gleichen Jahr wurden die Bauarbeiten aufgenommen. Großprojekte dieser Art hatten natürlich auch eine beschäftigungspolitische Komponente. Ein großer Teil der Gleisbauarbeiten, der Planierarbeiten und des Oberbaus wurden als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ausgeschrieben und durchgeführt. Ein Jahr später begann der Gleisbau sowohl von Duisburger als auch von Düsseldorfer Seite. Er endete am 20. April 1926 mit der Fertigstellung der neuen Schnellbahnstrecke nach Duisburg. Die Fahrzeuge auf dieser Bahn fielen ungleich eleganter aus als die auf der Krefelder Strecke. Man hatte gelernt und die Erfahrungen in den Neubau eingebracht.
Auch dieser Fahrzeugtyp hatte mit der Straßenbahn nicht viel gemeinsam. Es waren schwere, elegant eingerichtete Fahrzeuge, die eher an einen Express-Zug erinnerten. Sie waren so konstruiert, dass sie bei Bedarf auch auf der Krefelder Strecke hätten eingesetzt werden können.